Weihnachten – unfreiwillig allein, aber längst nicht mehr einsam
Dieses Weihnachten ist anders. AndersArt. Und eigentlich begleitet mich dieses AndersArt schon mein ganzes Leben – manchmal als schmerzhafter Ausschluss, manchmal als Türöffner zu tiefen Verbindungen. Dieses Jahr zeigt es sich erneut, klarer und deutlicher als je zuvor.
Es gibt Lebensphasen, die uns zu Wachstum zwingen. Nicht im Außen, sondern tief im Inneren. Heute weiß ich: Wachstum führt durch Schmerz, und manche Lebensthemen lösen sich erst, wenn wir bereit sind, ihnen wirklich zu begegnen – leise oder mit Pauken und Trompeten.
Eines meiner großen Themen war der Ausschluss aus Gemeinschaften. Ignoranz. Isolation. Dieses tiefe Gefühl von Einsamkeit und Verlassenwerden – ein uraltes Muster, das weit vor dieses Leben zurückreicht.
Ich wählte eine Familie, in der ich dieses Thema heilen durfte. Als Nachzüglerin war ich für meine Geschwister ein Eindringling. Ich bekam die Aufmerksamkeit, nach der sie sich sehnten. Später wurde ich zur Sonderlingin, weil ich mich für Menschen und Themen interessierte, die für sie nicht akzeptabel waren. Als ich dann auch noch Psychopathologie studierte, war das für sie der endgültige Beweis: „Sie ist AndersArt und gehört nicht zu uns.“
Die Beziehung schwankte zwischen Bewunderung und Ablehnung – bis der Kontakt eines Tages vollständig abbrach. Nicht aus meiner Entscheidung heraus, sondern aus Neid, Angst und alten familiären Dynamiken. Ein Kapitel, das viele kennen, aber nur wenige den Mut haben, zu verlassen.
Seit sieben Jahren verbringe ich Weihnachten ohne meine Ursprungsfamilie. Und mit der Zeit fand ich Frieden. Einen Frieden, der mich von Schmerz, Mangel und Ablehnung oder Hass befreite.
Dann der zweite Bruch – und der Tsunami 2025
Doch tief in mir gab es noch einen Anteil, der glaubte, ohne Familie nicht vollständig zu sein. Der Glück im Außen suchte. Der Halt brauchte.
Ich hätte nie gedacht, dass sich meine kleine Familie auflösen könnte. Doch genau das geschah 2025 – unerwartet, schonungslos, wie ein Tsunami ohne erkennbaren Auslöser. Der Kontakt brach ab. Einfach so.
Ich, die vom WIR, von Gemeinschaft und Liebe spricht, stand plötzlich im freien Fall.
Keine Antworten. Viele Fragen. Keine Orientierung. Nur Schmerz. Und all das, was ich selbst lehrte, stand plötzlich vor mir wie ein Spiegel:
durch die Angst gehen
keinen Widerstand leisten
das Leben annehmen
sich ausrichten
atmen, erden, zulassen
sich lieben – auch in Wut, Fassungslosigkeit, Trauer und Scham
Die ganze Palette. Ohne Anfang und ohne Ende.
Schweden – und der Weg zurück zu mir
Drei Monate Schweden haben mich gelehrt, wie tief Heilung gehen kann. Mein Bild von Familie wurde Blatt für Blatt abgerissen – und durfte sich neu formen.
Ich warf Erwartungen ins Meer. Auch die Erwartung, keine Erwartungen zu haben. Ich lernte, mich zu lieben, egal was das Außen spiegelte. Ich lernte, Grenzen zu halten. Ich lernte, mich auszudrücken, auch wenn das Außen mit Schweigen reagierte. Ich lernte, mein Glück in mir zu finden.
Und am Ende fand ich etwas, das ich nie für möglich gehalten hätte: Frieden.
Ich hatte Angst vor dieser Zeit. Nikolaus. Weihnachten. Geburtstage. Silvester. Alles ohne die gewohnte Familienrunde. Keine Enkel. Keine strahlenden Gesichter. Keine Gespräche.
Doch dann geschah etwas Unerwartetes. Ein Ereignis, ein Treffen das mich forderte – und gleichzeitig Frieden brachte. Ein Frieden, der nicht beschrieben werden kann. Ein Frieden, der einfach da ist. Ein Licht am Ende des Tunnels. Eine Stille voller Klarheit.
Ich bin genug. Weil ich bin.
Heute kann ich sagen: Wir sind an Weihnachten allein – aber nicht einsam.
Mein Mann, der selbst betroffen war und dennoch an meiner Seite stand, und ich verbringen diesen Abend mit Chico und Freddi in einer besonderen, stillen, liebevollen Atmosphäre. Es ist fast unheimlich, wie ruhig alles in mir schwingt. Wie sehr ich diese Zeit genieße.
Mein FazitEin altes Karma wurde gelöst – eines, das durch Generationen wirkte. Ich habe mich gefunden. AndersArt. Und das ist die wichtigste Verbindung meines Lebens.
Ich kann Menschen, die mir nahestehen, ihren Weg lassen – auch wenn er zunächst zerstörerisch wirkt. Denn ich weiß: Ist es noch nicht gut, ist es noch nicht das Ende.
Wir leben in einer Zeit des tiefsten Wandels. Themen lösen sich, die wir nie erwartet hätten. Wir werden erinnert – und das fordert uns auf, loszulassen.
Das Leben will empfangen werden. Mit allem. Dieser Prozess war einer meiner größten Heilungswege. Und heute empfinde ich tiefe Dankbarkeit für den Moment. Denn im Moment findet Leben statt.
Für dich
Hab Mut – egal, was dich gerade aus der Bahn wirft. Es wird gut, wenn du hindurchgehst. Nicht leicht, aber lohnend.
Gold wert sind die Menschen, die dich begleiten, ohne zu belehren. Sie sind die wahren Lichtbringer.
Und noch etwas: Scham ist eine Illusion. Authentizität braucht keine Zuckerschicht.
Du bist genug. Vergiss das nicht.
L8ve Martina 💚



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